Klimaanlagen in den Tropen

Die unmögliche Aircon-Tabelle

Bei mir, in den Tropen, ist es sehr warm und so habe ich vor kurzem entschieden eine Klimaanlage für die gute Stube zu kaufen. Dabei habe ich mich für einen Split-Typ entschieden. Also ein Innen- und ein Aussengerät, die mit zwei Kupferröhren miteinander verbunden sind.

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Beim Kauf stand bei mir die Energiefrage an oberster Stelle. Was muss ich für meine gute Stube erwerben? So bin ich zum hiesigen Fachhändler gefahren und habe mich beraten lassen.

Erschreckend war dann die Tatsache, dass der Verkäufer mir eine einzige Leistung- und Verbrauchstabelle zeigte. Auf seiner Tabelle wurden keine Watt und Kalorien wiedergegeben, sondern nur HP (PS) und Quadratmeter. 1 HP sei gut für circa 15 - 18 m2 Wohnfläche. Ende der Durchsage!

leistungstabelle der klimaanlagen nach abendson
Eine südostasiatische Leistungstabelle

Da fragte ich den Verkäufer höflich ob diese Tabelle für Manila (0 M.ü.M.) oder Tagaytay, Philippinen (620 M.ü.M.) gültig sei. Seine lapidare Antwort war: Es gelte für beide.

Kurze Überlegung: der Breitengrad, die Höhe über Meer und die Beschaffenheit des Hauses sollten da nicht mit einbezogen werden?

Als dann der Monteur bei mir war und den guten Zweiteiler einbaute, bemass er die Stube. Er stellte fest: 17 m2, 3 Lampen und 1 TV-Gerät. Was das für Lampen waren und wieviel das TV-Gerät an Watt verbrauchte, das interessierte ihm nicht.

Ich stellte somit fest, dass das Ganze eine Pi x Handgelenkberechnung darstellte.

Als ehemaliger Verwalter und Versicherungstechniker kann ich sehr gut mit Zahlen umgehen und so machte ich mich übers Internet an die Arbeit. Eine richtige Tabelle musste her.

Nach langem Recherchieren und Verarbeitung der gefundenen Daten musste ich widerwillig resignieren. Ein Gerät, dass zum Beispiel 700 Watt Input hat, soll dann 2000 Watt Kühlleistung erzeugen. So Etwas finde ich eine physikalisch, geschmacklose Angabe. An sich kann man solche Zahlen als die Erfindung des Moto Perpetuum durch die Klimagerätehersteller betrachten.

Stellen Sie sich vor: Ich entnehme der elektrischen Versorgung 700 Watt um dann 2000 Watt herzustellen! Lächerlich.

Die Hersteller werden jetzt lächelnd sagen, die Kühlleistung könne man nicht mit dem Input vergleichen. Ich werde Ihnen Antworten: Hier wird Sand in den Augen gestreut, um die Transparenz zu vermindern. Eine Leistung ist eine Leistung und muss geleistet werden. Wenn man aber aus 700 Watt ganze 2000 daraus macht, dann hat man von der Physik absolut keine Ahnung. Ich verstehe das so, dass man Unzulänglichkeiten verschleiern will.



Bei Gründeln im Internet fand ich immer wieder solche Aussagen:

In einigermassen gut isolierten Räumen geht man von einem Energiebedarf von 40 Watt pro Kubikmeter aus. Multiplizieren Sie das Raumvolumen mit diesem Wert und Sie erhalten einen ungefähren Richtwert, welche Leistung das Klimagerät pro Stunde erbringen sollte. In Bürocontainern und ähnlichen, schlechter isolierten Räumlichkeiten rechnet man mit 55 Watt/m³, in Zelten mit 95 Watt/m³.

Splitgeräte für einen Raum bis 30 m² benötigen eine Kälteleistung von 1800 bis 2500 Watt. Läuft ein solches Gerät mit 2000 Watt täglich fünf bis sechs Stunden, ist mit Strom-Zusatzkosten von ca. 50 Cent pro Tag zu rechnen (abhängig von Ihrem Stromtarif und der Temperatureinstellung).

In keiner dieser Aussagen wird der Breitengrad oder die Höhe über Meer erwähnt. Ich würde sogar behaupten, dass in den südlichen Alpen, für ein Monat im Jahr, ein Fenstergerät absolut genügen würde.

Zudem sollte man den Verkaufswillen des Hersteller miteinbeziehen, denn je grösser das Gerät, desto besser klingelt die Kasse.

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Ein Fenstergerät, wie es in Südostasien gerne benutzt wird.